"Be good to yourself 'cause nobody else has the power to make you happy" (George Michael, Heal the Pain)
Wer liebt Dich denn überhaupt?
Ich wußte es als er nicht ans Telefon ging. Jahrelang hatte er damit gedroht. So oft, daß wir, seine 3 Kinder, dachten: Dann mach's halt endlich. Aber jetzt war irgendwie alles anders. Mit meiner dunklen Vorahnung stieg ich ins Auto und fuhr die fünf Kilometer zu seiner Wohnung. Seit vielen Jahren war er alleine in dieser Wohnung, seit dem er aus unserem Haus ausgezoegen war. Oder musste er ausziehen? Meine Mutter meinte glaube ich damals sie hält es nicht mehr aus. Ja, ich denke es ist mehr als schwierig wenn man einen chronisch kranken Ehemann zuhause hat der nur noch Schmerzen hat und versucht diese zu betäuben.
Die Kripo und das Geld
Ich war gut instruiert. Ich wußte wo im Dachboden des 3-stöckigen Mietshauses der Zweitschlüssel zu seiner Wohnung versteckt war. Den holte ich jetzt. Ich sperrte auf, ging durch den Flur ins Wohnzimmer - und da sah ich ihn liegen. Es ist jetzt über 24 Jahre her daß ich ihn dort sah, meinen eigenen Vater, leblos am Boden liegen. Wie in Trance ging ich erst einmal ins Schlafzimmer und holte das Bargeld das ich zu mir nehmen sollte für diesen Fall. Dann rief ich meinen Hausarzt an. Dr. Pömsl war so nett, ich konnte ihn abholen und er kam mit mir mit, sofort. Zusammen betraten wir die Wohnung, und er stellte "offiziell" den Tod meines Vaters fest. Ich war so geschockt. Und das ist noch untertrieben. Doch funktionierte ich. Denn nur so überstand ich das "Verhör" der Kripo - keine Ahnung wer die gerufen hat. Doch ich denke mein Arzt hat ihnen schon klargemacht daß es Selbstmord war. Und:
Es gab einen wichtigen Satz der mir der Doktor damals sagte und der für mich heute immer noch gilt. Und der mir unglaublich geholfen hat, das kannst Du mir glauben:
"Wenn sich jemand umbringen will"
Er sagte: "Thomas, wenn sich jemand umbringen will, dann kannst Du das nicht verhindern. Du kannst es maximal hinauszögern." Und ich verstehe alles immer noch nicht so richtig, über 2 Jahrzehnte später. Manchmal denke ich er ist auch ein bischen für mich gestorben? Denn der Weg war jetzt frei - vermeintlicherweise. Keine Kontrolle mehr durch Geldmacht oder schlechtes Gewissen-Machen. Keine Schuldgefühle mehr. Das ist jetzt alles weg. Oder doch nicht?
Ich stand am Grab
Der Tag der Beerdigung. Ich stand am Grab und las meinen Brief vor. Der Brief an sich war die Idee meiner Mutter. Sie meinte ich könnte darin alles schreiben was ich meinem Vater jemals sagen wollte aber nicht gesagt habe. Oder was ich jetzt sagen wollte. Egal: Ich erinnere mich an zwei Sachen: Erstmal habe ich nicht geweint. Ich weiß nicht warum. Beim Tod meiner Oma habe ich Rotz und Wasser geheult. Aber hier: nichts. Ich denke es war der Schock. Die Trauer kam erst viel viel später, und auch nur Schritt für Schritt lies ich sie zu.
Und, an was ich mich noch erinnere: An die Überschrift meines Briefes an meinen Papa. Es ist ein Zitat aus einem Song von George Michael: "Be good to yourself 'cause nobody else has the power to make you happy". Und das ist so wahr. Und so oft vergessen wir das. Ich vergesse das zu oft. Denke oft zuerst an die anderen, und dann erst an mich. Beziehungsweise vergesse mich total. Lebe im Außen. Doch der Weg zum Glück ist ein Anderer: zu sich kommen, sich selbst lieben, das Leben geniessen. Was für eine schöne Theorie...
Geht da wirklich was? Wird es besser? Leichter? Falls ja: wie?
Ich habe ja alle Menschen genannt die mir geholfen haben seit diesem Tag. Und dafür bin ich wirklich dankbar. Denn ich war damals wirklich "bewusst-los". Ich habe nicht kapiert was passiert - was im Nachhinein vielleicht ganz gut war. Denn damit man Traumata überlebt braucht man wohl diesen Schleier, diesen Nebel, ja, um zu überleben. Seitdem bin ich auf dem Weg des ansteigenden Bewusstseins. Und das ist gut. Sehr gut sogar. Denn: langsam weiß ich was ich tue! Mein Gott war mein Leben damals eine Achterbahn! Besonders nach dem Erbe habe ich das Geld für Alles ausgegeben was mir gerade in den Sinn kam. Und wutsch, war die Million weg, schon nach 3 Jahren. Hatte ich mir irgendwelche sinnvollen Investitionen zugelegt? Nein, ich hab's nur rausgeballert ... weil ich es nicht behalten wollte, wie ich heute weiß. Ich hab dieses geerbte Geld für etwas Schlechtes gehalten (und vielleicht war es das auch?!?) und wollte es loswerden. Und das ging ziemlich einfach ... jeder nimmt gerne Dein Geld, keiner frägt nach ob Du das wirklich tun solltest. Und, über zwei Jahrzehnte später kann ich sagen: es ist egal. Denn: Geld kannst Du immer wieder machen .
Und alles andere ist letzten Endes auch "egal". Die Frage ist: wie kann ich mich selbst glücklich machen? Noch besser: wie kann ich jetzt sofort glücklich sein? Und wenn Du Dich schon irgendwann einmal in Deinem Leben glücklich gefühlt hast. Nur 1 Sekunde lang. Dann hast Du gewonnen. Denn dann hast Du schon mindestens einmal im Leben geschafft was Du Dir so sehr wünschst. Genauso wie wenn Du nur ahnst daß es da noch mehr schöne Gefühle geben könnte. Lies bitte bitte dieses Buch von Lola Jones. Die Kurzform: Alles was Du tust (z.B. viel arbeiten um eines Tages gelobt zu werden) hat nur einen Zweck: etwas zu fühlen was Du gerne fühlen möchtest. Im Zweifelsfall geht es (hoffentlich, sonst bitte ab zur Therapie) um ein gutes Gefühl. Du möchtest Dich z.B. "glücklich" fühlen. Lola sagt: lass doch den Umweg mit der vielen Arbeit - und fühle Dich gleich glücklich ... :-)

