einem Essay von Paul Graham
Mai 2004
(Dieses Essay erschien ursprünglich in Hackers
& Painters.)
Wenn man reich werden möchte, wie könnte man das anstellen? Ich denke der
beste Versuch wäre ein Startup zu gründen oder bei einem mitzumachen. Das
ist seit hunderten von Jahren ein bewährter Weg um reich zu werden. Der Begriff
"Startup" kommt aus den 60er Jahren, aber was in einem Startup passiert, ist
den mittelalterlichen risiko-behafteten Handelsreisen sehr ähnlich
Startups haben üblicherweise mit Technologie zu tun, und zwar in so einem großen Ausmaß
daß der Ausdruck "High-Tech Startup" nahezu redundant ist. Ein Startup ist
ein kleines Unternehmen, welches sich intensiv mit einem technischen Problem
auseinandersetzt.
Viele Menschen werden reich ohne mehr als das zu wissen. Man muß sich nicht
mit Physik auskennen um ein guter Pitcher (Anm. d. Übersetzers: Baseball-Spieler
auf einer speziellen Position) zu sein. Aber ich denke das könnte ein Hinweis sein
um die dahintersteckenden Prinzipien zu verstehen.
Warum müssen Startups klein sein?
Wird ein Startup zwangsläufig aufhören ein Startup zu sein wenn es größer wird?
Und warum arbeiten diese Startups so oft daran neue Technologien zu entwickeln? Warum gibt
es soviele Startups die neue Medikamente oder Computer Software verkaufen, aber
keine welche Maiskeimöl oder Waschmittel verkaufen?
Die Ausgangssituation
Wirtschaftlich gesehen ist ein Startup das Hineinpressen eines kompletten
Arbeitslebens in einige wenige Jahre. Anstatt mit
geringer Intensität vierzig Jahre lang zu arbeiten, arbeitet
man nur vier Jahre - aber so hart wie man kann. Das zahlt sich
vor allem bei Technologie aus, denn dort bekommt man
für schnelles Arbeiten ein Vielfaches.
Hier ist eine Skizze der ökonomischen Ausgangslage. Wenn man
ein guter Programmierer um die 25 ist, kann man einen guten
Job bekommen der einem um die 80.000 Dollar im Jahr einbringt. Im Durchschnitt
muß also so ein Programmierer mindestens Arbeit im Wert von
80.000 Dollar pro Jahr leisten, damit das Unternehmen zumindest keinen Verlust macht.
Man kann vermutlich doppelt so viele Stunden arbeiten wie ein Angestellter,
und wenn man sich darauf konzentriert schafft man wahrscheinlich dreimal so viel
wie in einer Stunde.
[1]
Man bekommt wohl noch mindestens einen Multiplikator von zwei, indem
man den Widerstand des spitzfindigen Managers der mittleren Führungsebene
ausschaltet, welcher in einer grossen Firma Ihr Chef wäre. Dann gibt es
noch einen weiteren Multiplikator: wie viel geschickter ist man
als die Job-Beschreibung es erwartet? Nehmen wir einen Multiplikator
von drei an. Wenn man alle diese Multiplikatoren kombiniert, behaupte ich
daß man 36 mal produktiver sein kann als in einem beliebigen anderen Job.
[2]
Wenn man als ziemlich guter Programmierer in einem großen Unternehmen
pro Jahr 80.000 Dollar wert ist, dann sollte man hingegen als richtig geschickter Programmierer
Arbeit schaffen können, die ungefähr 3 Millionen pro Jahr wert ist -
wenn man sehr hart arbeitet und nicht von irgendwelchem internen Unternehmens-Kram
ausgebremst wird.
Wie jede grobe Berechnung hat auch diese sehr viel Spielraum.
Ich würde nicht versuchen diese zu verteidigen. Aber ich stehe zu
ihrem grundsätzlichen Aufbau. Ich behaupte nicht daß der Mulitplikator
exakt 36 ist, aber er ist sicher höher als 10, und er ist wahrscheinlich
selten größer als 100.
Wenn sich 3 Millionen pro Jahr viel anhört, sollte man sich daran erinnern
daß wir über den Grenzfall sprechen: Der Fall, in dem man nicht nur keinerlei
Freizeit hat sondern auch tatsächlich so hart arbeitet daß es gesundheitsgefährdend ist.
Startups haben nichts Magisches. Sie ändern nicht die Art und Weise der
Wohlstands-Schaffung. Sie repräsentatieren nur einen Punkt auf dem langen Ende des
Weges. Dort gibt es ein konstant gültiges Gesetz der Arbeit:
Wenn man eine Millionen Dollar machen möchte, muß man Schmerzen ertragen
die eine Million Dollar wert sind. Beispielsweise ist eine Möglichkeit
eine Million Dollar zu machen, ein Leben lang in einem Postamt zu arbeiten
und jeden verdienten Penny zu sparen. Man stelle sich die Plagerei vor,
für dieses Postamt fünfzig Jahre lang zu arbeiten. In einem Startup
presst man all diese Belastung in ein Zeitfenster von 3 oder 4 Jahren.
Man bekommt wahrscheinlich einen "Mengenrabatt",
wenn man diese Schmerzen gleich in einer Haushaltspackung einkauft, aber man
kann sich dem fundamentale Bestandsgesetz nicht entziehen. Wenn ein Startup zu
gründen einfach wäre, würde es jeder tun.
Millionen, nicht Milliarden
Wenn manchem 3 Millionen jährlich hoch erscheint,
wird es sich für andere wenig anhören. Drei Millionen?
Wie kann man es schaffen ein Milliardär zu werden, so wie Bill Gates?
Lassen wir Bill Gates an dieser Stelle außen vor. Es ist keine
gute Idee berühmte Leute als Beispiel zu nehmen, weil die Presse
nur über die absolut Reichsten schreibt und diese eher Sonderfälle sind.
Bill Gates ist ein smarter, zielstrebiger, hart arbeitender Mann, aber
man braucht mehr als das um so viel Geld zu machen wie er. Man muß auch
sehr viel Glück haben.
Es gibt einen grossen Zufallsfaktor in punkto Erfolg eines jeden
Unternehmens.
So sind die Leute, über die man letztlich in der Zeitung liest, diejenigen
die smart sind, sich komplett einer
Sache verschrieben haben und die Lotterie gewonnen haben.
Sicherlich ist Bill smart und zielstrebig, aber dazu kam
daß Microsoft die Begünstigte einer der spaktakulärsten Fehlleistungen
in der Wirtschaftsgeschichte war: Der Lizenz-Vertrag für DOS.
Zweifellos tat Bill alles um IBM zu diesem Fehltritt zu bewegen, und
er hat ihn exzellent ausgenutzt, aber wenn es bei IBM eine Person mit
Hirn gegeben hätte, hätte Microsofts Zukunft ganz anders ausgesehen.
Microsoft hatte zu diesem Zeitpunkt wenig Einfluß bei IBM. Unterm Strich
waren sie ein Lieferant von Software-Komponenten. Wenn IBM eine Exklusiv-Lizenz
gefordert hätte, was sie hätten machen sollen, hätte Microsoft
den Vertrag immer noch unterschrieben. Es hätte immer noch viel Geld
für sie bedeutet, und IBM hätte leicht ein Betriebssystem woanders her bekommen.
Statt dessen nutzte am Ende IBM all seine Marktmacht um Microsoft
die Kontrolle über den PC Standart zu verschaffen.
Alles was Microsoft ab diesem Zeitpunkt noch machen musste, war
Ausführung. Sie mußten niemals ihr Unternehmen mit einer mutigen
Entscheidung aufs Spiel setzen. Alles was sie zu tun hatten war
im Lizenzgeschäft unnachgiebig zu sein und einigermaßen schnell innovative
Produkte zu kopieren.
Wenn IBM diesen Fehler nicht gemacht hätte, wäre Microsoft
immer noch eine erfolgreiche Firma gewesen, aber sie hätten
nicht so schnell so groß werden können. Bill Gates wäre reich,
aber er wäre am unteren Ende der Forbes 400 Liste zusammen
mit den Anderen in seinem Alter.
Es gibt viele Wege um reich zu werden, und dieses Essay handelt
nur von einem davon. Dieses Essay handelt davon wie
man Geld macht indem man Wohlstand schafft und dafür bezahlt wird.
Es gibt genügend andere Wege um Geld zu bekommen, eingeschlossen
Zufall, Spekulation, Heirat, Erbschaft, Diebstahl, Erpressung,
Betrug, ein Monopol, Bestechung, Lobbyismus, Geldfälschung und das Schürfen nach Bodenschätzen.
Die meisten der größten Vermögen haben vermutlich mit einigen dieser Dinge
zu tun.
Der Vorteil des Schaffens von Wohlstand, als ein Weg reich zu werden,
ist nicht allein daß er legitimer ist (viele der anderen Methoden
sind nun verboten), sondern auch einfacher.
Man muß nur etwas tun was die Leute mögen.
Geld ist nicht gleich Wohlstand
Wenn man Wohlstand schaffen möchte, wird das hier beim Verständnis helfen.
Wohlstand ist nicht das gleiche wie Geld.
[3]
Wohlstand ist so alt wie
die Geschichte der Menschheit. Weit älter, denn: Ameisen haben Wohlstand.
Geld ist eine vergleichsweise junge Erfindung.
Wohlstand ist das Fundamentale. Wohlstand ist das was wir wollen:
Essen, Kleidung, Häuser, Autos, technische Spielereien, Reisen zu
interessanten Orten, und so weiter. Man kann Wohlstand haben ohne
Geld zu besitzen. Wenn man eine Zaubermaschine hätte welche einem
auf Kommando ein Auto machen würde oder Abendessen kochen oder die
Wäsche waschen, oder auch alles andere was man sich wünscht, bräuchte
man kein Geld mehr. Hingegen: wenn man mitten in der Antarktis wäre,
wo es nichts zu kaufen gibt, würde es keine Rolle spielen wieviel Geld
man hat.
Wohlstand ist das was man eigentlich will, nicht Geld. Aber wenn Wohlstand das
Wichtigste ist, warum spricht jeder übers Geld-Machen? Kurz gesagt:
Geld ist ein Weg um Wohlstand zu bewegen, und in der Praxis sind beide
üblicherweise austauschbar. Aber sie sind nicht das Gleiche, und solange
man plant mit Geldfälschung reich zu werden, kann das Sprechen über
Geld-Machen erschweren zu verstehen wie man Geld macht.
Geld ist ein Nebeneffekt der Spezialisierung. In einer spezialisierten
Gesellschaft, kann man die meisten Dinge die man benötigt nicht selbst machen.
Wenn man eine Kartoffel möchte, oder einen Bleistift, oder einen Platz zum Wohnen,
muss man zu jemand anderem gehen.
Wie schafft man es jemanden, der Kartoffeln anbaut, dazu zu bringen einem
welche zu geben? Indem man ihm etwas anderes dafür gibt was er braucht.
Aber man kommt nicht weit mit dem Direkt-Tausch von Dingen mit Leuten die
diese brauchen. Wenn man Geigen herstellt, und keiner der örtlichen Landwirte
eine will, was soll man dann essen?
Die Lösung welche Gesellschaften fanden als sie sich weiter spezialisierten, war
den Handel in einen zweistufigen Prozess aufzuteilen. Statt direkt
Geigen mit Kartoffeln zu tauschen, tauscht man Geigen in sagen wir Silber,
welches man anschliessend wieder in alles andere tauschen kann was man benötigt.
Das "Zwischenprodukt" - das Tauschmittel - kann alles sein was
selten und tragbar ist. In der Geschichte waren das meistens Metalle,
aber in jüngster Vergangenheit haben wir ein Tauschmittel was Dollar
genannt wird, welcher nicht wirklich physikalisch existiert. Er dient als
Tauschmittel, allerdings nur weil die US-Regierung seine Seltenheit garantiert.
Der Vorteil eines Tauschmittels ist daß es Handel ermöglicht. Der Nachteil
ist, daß es dazu tendiert unklar werden zu lassen was Handel wirklich bedeutet.
Die Menschen denken, daß ein Unternehmen nichts anderes tut als Geld zu machen.
Aber Geld ist nur der Zwischenschritt - nur ein anderer Ausdruck - für das
was immer die Menschen möchten. Was Unternehmen wirklich tun, ist Wohlstand
zu produzieren. Sie machen etwas was die Menschen möchten.
[4]
Der Trugschluss vom Kuchen
Eine überraschende Zahl von Menschen hält an dem Gedanken aus ihrer Kindheit fest,
daß es eine begrenzte Menge an Wohlstand in der Welt gibt.
Es gibt, in jeder normalen Familie, immer eine begrenzte Menge an Geld.
Aber das ist nicht das Gleiche.
Wenn in diesem Zusammenhang über Wohlstand gesprochen wird, wird dieser oft
als Kuchen beschrieben. "Man kann den Kuchen nicht vergrössern", sagen Politiker.
Wenn man über den Geldbetrag auf dem Bankkonto einer Familie spricht, oder den
Betrag welchen eine Regierung aus den jährlichen Steuereinnahmen zur Verfügung hat,
ist das wahr. Wenn eine Person mehr bekommt, muß jemand anders weniger bekommen.
Ich kann mich daran erinnern, daß ich als Kind geglaubt habe,
daß weniger für alle anderen bleibt wenn die Reichen das ganze
Geld haben. Viele Menschen scheinen so etwas bis ins Erwachsenenalter
weiterhin zu glauben. Dieser Trugschluss entsteht üblicherweise dann im
Hintergrund wenn man jemanden darüber sprechen hört daß x Prozent der
Bevölkerung über y Prozent des Wohlstands verfügen. Wenn man vorhat
ein Startup zu gründen, dann plant man automatisch diesen "Kuchen-Trugschluss"
zu widerlegen - egal ob man das realisiert oder nicht.
.
Was die Menschen dabei irreführt ist die Abstraktion von Geld. Geld ist nicht
gleich Wohlstand. Es ist nur etwas was wir benutzen um Wohlstand zu verschieben.
Obgleich es sein mag, daß in bestimmten gewissen Momenten (wie diesen Monat
in Ihrer Familie) nur ein bestimmte Menge an Geld vorhanden ist um mit anderen Leuten
Dinge zu tauschen die man möchte, gibt es keine begrenzte Menge an Wohlstand auf der Welt.
Man kann zusätzlichen Wohlstand schaffen. In der menschlichen Geschichte wurde
Wohlstand schon immer geschaffen und auch vernichtet (unter dem Strich mehr geschaffen).
Angenommen Sie besitzen ein kaputtes altes Auto. Anstatt nächsten Sommer
faul rumzusitzen könnten Sie die Zeit nutzen das Auto herzurichten und es wieder in den
ursprünglichen Zustand zu versetzen. Indem Sie das tun schaffen Sie Wohlstand. Die
Welt - und Sie selbst auch - ist um ein ursprünglich altes Auto reicher. Und nicht nur
metaphorisch gesehen. Wenn Sie Ihr Auto verkaufen, werden Sie mehr dafür bekommen.
Indem Sie Ihr altes Auto restauriert haben, haben Sie sich selbst reicher gemacht.
Sie haben niemand anderen ärmer gemacht. Also gibt es offensichtlich keine
feste Kuchengrösse. Und wenn man es auf diese Weise betrachtet, frägt man sich
tatsächlich warum irgendjemand denken würde daß es sie geben sollte.
[5]
Kinder wissen - ohne daß es ihnen bewußt ist daß sie es wissen - daß sie Wohlstand schaffen
können. Wenn man jemanden ein Geschenk schenken möchte und kein Geld hat, bastelt man selber
eines. Aber Kinder sind so schlecht im Herstellen von Dingen daß sie selbstgemachte
Geschenke als deutlich minderwertig im Vergleich zu gekauften Geschenken ansehen -
ein schierer Ausdruck des sprichtwörtlichen Gedankens "was wirklich zählt". Und in der Tat hatten
die klumpigen Aschenbecher, die wir für unsere Eltern machten,
keinen hohen Marktwert.
Handwerker
Die Menschen, die wahrscheinlich am meisten begreifen daß Wohlstand geschaffen werden kann,
sind diejenigen die gut im Herstellen von Dingen sind, die Handwerker. Ihre handgemachten
Objekte werden zu erwerbbaren Objekten im Laden. Aber im Zuge der Industrialisierung gibt es immer
weniger Handwerker. Eine der größten verbleibenden Gruppen sind die Computer-Programmierer.
Ein Programmierer kann vor seinem Computer sitzen und Wohlstand erschaffen.
Ein gutes Stück Software ist, in sich selbst, eine wertvolles Sache.
Um es noch komplizierter zu machen, gibt es dabei keine richtige Produktion. Diese Buchstaben, welche man
eintippt, sind das komplette, fertige Produkt. Wenn sich jemand hinsetzen und einen Web-Browser schreiben
würde der mal nicht beschissen ist (nebenbei gesagt, eine tolle Idee) würde die Welt so viel reicher sein.
[5b]
Alle in einem Unternehmen arbeiten zusammen um Wohlstand zu schaffen, in dem Sinn daß man mehr Dinge
herstellt welche die Leute wollen. Viele der Angestellten (z.B. die Leute in der Post- oder
Personalabteilung) welche dort sind arbeiten entfernt vom richtigen Produktionsprozess. Nicht die
Programmierer. Sie buchstäblich denken das Produkt, eine Zeile nach der anderen. Und so ist es
den Programmierern bewußter daß Wohlstand etwas ist das geschaffen wird, weniger als etwas was
vertrieben wird, wie Kuchenstücke von einem imaginären Daddy.
Es ist für Programmierer ebenso offensichtlich, daß es große Unterschiede im Grad der
Wohlstands-Schaffung gibt. Bei Viaweb hatten wir einen Programmierer der eine Art
Produktivitäts-Monster war. Ich erinnere mich ihn beobachtet zu haben was er den ganzen
langen Tag tat, und ich schätzte daß er den Firmenwert um einige hundert tausend Dollar erhöhte.
Ein großartiger Programmierer, der gerade einen Lauf hat, kann in wenigen Wochen einen Wohlstand
im Wert von mehreren Millionen Dollar schaffen. Ein mittelmäßiger Programmierer wird in der
gleichen Zeit gar keinen oder sogar negativen Wohlstand (z.B. indem er Bugs produziert) schaffen.
Das ist der Grund, warum die besten Programmierer "dem Prinzip der Willensfreiheit" folgen. In unserer
Welt geht man entweder unter oder man schwimmt, und es gibt keine Ausreden. Während diejenigen,
die weit entfernt vom Wohlstand-Schaffen sind - Studenten, Reporter, Politiker - dazu tendieren zu
denken daß sei ungerecht! wenn sie hören daß die reichsten
5% der Menschen die Hälfte allen Wohlstands innehaben.
Ein erfahrener Programmierer würde viel wahrscheinlicher denken ist das alles? Die besten 5% der
Programmierer schreiben wahrscheinlich 99% der guten Software.
Wohlstand kann geschaffen werden ohne zu verkaufen. Wissenschaftler, von früher bis heute,
haben uns letzten Endes den Wohlstand geschenkt den sie geschaffen haben. Wir sind alle reicher indem
wir Penizillin kennen, weil wir wahrscheinlich weniger häufig an Infektionen sterben. Wohlstand ist was immer
die Menschen möchten, und nicht zu sterben ist sicherlich etwas das wir möchten. Hacker schenken uns oft ihre
Arbeit indem sie Open Source Software schreiben die jeder gratis verwenden kann. Ich selbst bin viel reicher
geworden durch das Betriebssystem FreeBSD, welches ich auf dem Computer laufen habe den ich jetzt benutze,
und genauso Yahoo, die es auf allen ihren Servern betreiben.
Was ist ein Job?
In den industrialisierten Ländern sind die Menschen der einen oder anderen Institution zugehörig bis sie
ungefähr 20 sind. Nach all diesen Jahren ist man an den Gedanken gewöhnt zu einer Gruppe von Leuten zu
gehören, die alle am morgen aufstehen, zu irgendwelchen Gebäudekomplexen gehen, und Dinge tun die sie gewöhnlich
nicht gerne machen. Zu so einer Gruppe zu gehören wird Teil ihrer Identität: Name, Alter, Rolle,
Institution. Wenn man sich selbst vorstellen muß, oder einer jemanden beschreibt, wird es etwas ähnliches
sein wie "John Smith, 10 Jahre, ein Schüler bei dieser oder jener Grundschule", oder "John Smith, 20 Jahre,
ein Student bei diesem oder jenen College".
Sobald John Smith die Schule beendet wird von ihm erwartet sich einen Job zu suchen. Und
was einen Job suchen zu bedeuten scheint ist sich wieder einer Institution anzuschliessen.
Vordergründig ist es ziemlich wie College. Man sucht sich Unternehmen aus für die man arbeiten möchte
und beantragt einen aufzunehmen. Wenn sie einen mag, wird man zum Mitglied dieser neuen Gruppe. Man steht
morgens auf und geht zu neuen Gebäudekomplexen, und tut Dinge die man gewöhnlich nicht gerne tun möchte.
Es gibt da einige Unterschiede: das Leben macht nicht so viel Spaß, und man wird bezahlt anstatt daß man
etwas zahlt, so wie im College. Aber die Ähnlichkeiten wiegen schwerer als die Unterschiede. John Smith
ist nun John Smith, 22, ein Software-Entwickler bei dieser oder jener Firma.
Tatsächlich hat sich John Smith's Leben mehr geändert als ihm bewußt ist. In sozialer Hinsicht
sieht ein Unternehmen mehr wie ein College aus, aber je mehr man in der darunterliegenden Realität
herumstochert, desto unterschiedlicher wird die Sache.
Was ein Unternehmen tut, und was es tun muß um weiterhin zu existieren, ist Geld zu verdienen. Und
die Art und Weise wie die meisten Unternehmen Geld machen ist in dem sie Wohlstand schaffen. Unternehmen
können derart spezialisiert sein daß diese Ähnlichkeit im Verborgenen bleibt, aber es sind nicht nur die
produzierenden Unternehmen welche Wohlstand schaffen. Eine wichtige Wohlstands-Komponente ist
der Standortfaktor.
Erinnern Sie sich an die Wundermaschine die für Sie Autos herstellen, Abendessen kochen etc. konnte? Diese
wäre nicht so nützlich wenn sie Ihr Abendessen an irgendeinen zufälligen Ort in Zentralasien liefern würde.
Wenn Wohlstand bedeutet was Leute möchten, schaffen auch Unternehmen Wohlstand die Dinge transportieren.
Das gilt auch für viele andere Arten von Unternehmen welche nichts Physisches machen. Nahezu alle
Unternehmen existieren um etwas zu machen was die Menschen möchten.
Und das ist genau das was sie für ein Unternehmen machen wenn Sie zur Arbeit gehen. Aber hier gibt es
eine andere Ebene welche die darunterliegende Schicht meist verdeckt. In einem Unternehmen
ist das Ergebnis der Durchschnitt ihrer Arbeit mit der vieler anderer zusammen. Es mag einem nicht immer
bewußt sein daß man etwas macht was die Leute möchten. Ihr Beitrag kann indirekt sein. Aber das Unternehmen
als Ganzes muß den Leuten etwas geben was diese möchten, sonst macht es kein Geld. Und wenn sie Ihnen x
Dollar jährlich zahlen, müssen Sie im Durchschnitt Arbeit im Wert von mindestens x Dollar pro Jahr
leisten, sonst wird das Unternehmen mehr Geld ausgeben als es einnimmt, und wird sich vom Markt verabschieden.
Jemand der am College promoviert denkt, und das wird ihm auch erzählt, daß er einen Job suchen soll, so als ob
es wichtig wäre Mitglied einer Institution zu werden. Ein viel direkterer Weg wäre: Du solltest
beginnen etwas zu tun was die Menschen möchten. Du brauchst nicht zu einem Unternehmen zu gehen um das
zu tun. Alles was ein Unternehmen darstellt, ist eine Gruppe von Leuten die zusammen arbeitet um etwas
zu machen was die Leute möchten. Etwas zu tun was die Leute möchten ist das Entscheidende, nicht
sich einer Gruppe anzuschliessen.
[6]
Für die meisten Menschen ist der wahrscheinlich beste Plan für eine bereits existierende Firma zu arbeiten.
Aber es ist gut zu verstehen was dann passiert. Ein Job bedeutet etwas zu tun was die Leute möchten,
wobei ihr Beitrag mit dem von allen anderen in diesem Unternehmen in einen Topf geworfen wird.
Härter Arbeiten
Diese "Durschnittsbildung" wird zu einem Problem. Ich denke das alleinige und größte Problem welches große
Unternehmen belastet ist die Schwierigkeit, der Arbeit jedes Einzelnen einen Wert beizumessen.
Größenteils stochern sie nur herum.
In einem großen Unternehmen bekommt man für ziemlich hartes Arbeiten ein ziemlich vorhersehbares
Gehalt. Es wird von Ihnen erwartet, daß sie nicht offensichtlich inkompetent oder faul sind, aber es
wird nicht erwartet daß Sie ihr komplettes Leben ihrer Arbeit widmen.
Jedoch stellt sich heraus daß es Skaleneffekte gibt, je nachdem wieviel
Ihres Lebens Sie der Arbeit widmen. Im richtigen Geschäftsleben könnte jemand der sich wirklich
der Arbeit verschreibt zehn oder hundert mal mehr Wohlstand schaffen als ein durchschnittlicher Angestellter.
Ein Programmierer z.B. könnte, anstatt unproduktiv existierende Software zu warten und upzudaten,
eine komplett neue Software schreiben, und damit eine neue Umsatzquelle schaffen.
Unternehmen sind nicht dafür geschaffen Leute zu belohnen die so etwas machen wollen. Sie können nicht zu
Ihrem Chef gehen und sagen, daß Sie ab jetzt zehn mal so hart arbeiten möchten, und daß er sie bitte
zehn mal so gut zahlen soll. Zum einen weil die offizielle Annahme existiert, daß Sie bereits so hart
arbeiten wie Sie können. Aber ein ernsteres Problem ist, daß das Unternehmen keinen Weg kennt um zu messen
welchen Wert Ihre wirklich Arbeit hat.
Verkäufer sind eine Ausnahme. Wieviel Umsatz man macht ist leicht zu messen, und üblicherweise bekommen
sie davon einen Anteil als Bezahlung. Wenn ein Verkäufer härter arbeiten will kann er sofort damit anfangen,
und er wird automatisch verhältnismäßig mehr verdienen.
Es gibt neben dem Verkaufen noch einen anderen Job für den große Unternehmen hochbezahlte Leute einstellen
können: Die Arbeit im Top-Managament. Und aus dem gleichen Grund: Ihre Leistung kann gemessen werden. Die Top
Manager werden verantwortlich für die Leistung des gesamten Unternehmens gemacht. Weil die Leistung eines
einfachen Angestellten üblicherweise nicht gemessen werden kann, wird von ihm nicht erwartet sich mehr als
normal anzustrengen. Wohingegen das Top Management, wie die Verkäufer, sich sogar die Zahlen ausdenken
muß. Der CEO eines Unternehmens welches sich schnell entwickelt kann sich nicht dahinter verstecken, daß er einen
guten Anteil geleistet hat. Wenn das Unternehmen schlecht wirtschaftet, hat er schlecht gewirtschaftet.
Ein Unternehmen welches alle Mitarbeiter so ehrlich und direkt bezahlen könnte wäre enorm erfolgreich. Viele
Angestellte würden härter arbeiten wenn sie dafür bezahlt werden würden. Noch wichtiger dabei ist, daß
solch ein Unternehmen Leute anziehen würde die explizit hart arbeiten möchten. Es würde seine Wettbewerber
einfach zerdrücken.
Unglücklicherweise können Unternehmen nicht jeden wie einen Verkäufer bezahlen. Verkäufer arbeiten alleine.
Die Arbeit der meisten Angestellten hängt von der Arbeit der anderen ab. Angenommen ein Unternehmen
stellt ein technisches Spielzeug für Privatkunden her. Die Ingenieure bauen ein zuverlässiges Produkt mit allen
neuen Features; die Industriedesigner entwerfen ein schönes Äußeres; und dann überzeugen die Marketing-Leute
jeden daß das etwas ist was man haben muß. Wie soll man wissen welcher Anteil an den Produkt-Umsätzen zu den
Leistungen
der einzelnen Gruppe zugeordnet werden soll? Oder, was das betrifft, wieviel Beitrag haben die Ersteller der
vorherigen Produkte
geleistet, welche dem Unternehmen den guten Ruf einer Qualitätsfirma verschafft haben? Es gibt keinen Weg alle
diese unterschiedlichen
Beiträge zu entwirren. Nicht einmal wenn man die Gedanken der Kunden lesen könnte, man findet nur heraus daß alle
diese Faktoren zusammen verschwimmen.
Wenn man schneller vorwärts kommen will ist es problematisch daß Ihre Arbeit mit der von vielen
anderen Leuten zusammenhängt. In einer grossen Gruppe ist Ihre Leistung nicht einzeln meßbar - und
der Rest der Gruppe bremst Sie aus.
Messbarkeit und Hebelwirkung
Um reich zu werden muss sich eine Situation mit zwei Dingen schaffen, Messbarkeit und Hebelwirkung. Man muß
in einer Position sein in der die eigene Leistung gemessen werden kann, es gibt keinen anderen Weg um
mehr zu erhalten wenn man mehr tut. Und man man braucht Hebelwirkung, in dem Sinn daß die Entscheidungen
die man trifft grosse Auswirkungen haben.
Messbarkeit alleine ist nicht ausreichend. Ein Job-Beispiel mit Messbarkeit aber ohne Hebelwirkung ist
Akkordarbeit in irgendeinem Ausbeuterbetrieb. Die eigene Leistung wird gemessen und man wird entsprechend
bezahlt, aber es gibt keinen Freiraum für Entscheidungen. Die einzige Entscheidung die man treffen kann ist
wie schnell man arbeitet, und das kann wahrscheinlich den Verdienst um den Faktor 2 oder 3 steigern.
Ein Beispiel eines Jobs mit sowohl Messbarkeit als auch einem Hebel wäre Hauptdarsteller in einem Film zu
sein. Ihre Leistung kann mit den Bruttoeinspielungen des Films gemessen werden. Und es gibt einen Hebel in
dem Sinn daß Ihre Leistung den Film erfolgreich macht oder abstürzen lässt.
Auch CEOs verfügen über Beides, Messbarkeit und Hebelwirkung. Sie werden gemessen, indem die Leistung
ihrer Firma mit ihrer eigenen Leistung gleich gesetzt wird. And sie haben die Hebelwirkung in ihren Entscheidungen,
welche das Unternehmen in die eine oder andere Richtung steuern lassen.
Ich denke daß jeder der aus eigener Kraft reich werden will sich in einer Situation mit Messbarkeit und
Hebelwirkung wiederfinden wird. Jeder den ich mir vorstellen kann tut das: CEOs, Filmstars, Hedge Fond
Manager, Profisportler. Ein guter Hinweis auf das Vorhandensein des Hebels ist die Möglichkeit einen
Fehler zu begehen. Oben muß mit unten im Gleichgewicht sein, also muß es auch furchteinflößende Verlustmöglichkeiten
geben wenn ein großes Gewinnpotential existiert. CEOs, Stars, Fondsmanager und Sportler leben alle mit
diesem über ihnen hängenden Damoklesschwert; im Moment in dem sie beginnen schwächer zu werden, sind sie
raus aus dem Spiel. Wenn man in einem Job arbeitet der sich sicher anfühlt, wird man nie reich werden,
denn: wenn es keine Gefahr gibt wird es mit ziemlicher Sicherheit auch keine Hebelwirkung geben.
Aber man muß kein CEO oder Filmstar werden um in einer Messbarkeit-und-Hebel-Situation zu sein. Alles
was man tun muß, ist als Teil einer kleinen Gruppe an einem schwierigen Problem zu arbeiten.
Klein = Messbar
Wenn man den Wert der Arbeit nicht messen kann, welche von einzelnen Mitarbeitern geleistet wird, kommt
man dem Thema schon näher. Denn man kann den Wert der Arbeit von kleinen Gruppen messen.
Eine Ebene, auf der man exakt den von Mitarbeitern erzielten Umsatz messen kann,
ist die Ebene der kompletten Firma. Wenn die Firma klein ist, kommt man dadurch der Messung der
Beiträge von einzelnen Mitarbeitern ziemlich nahe. Ein funktionsfähiges Startup hat vielleicht nur zehn
Mitarbeiter, was beim Messen individueller Bemühungen einen Faktor von zehn ergibt.
Ein Startup zu gründen oder einem beizutreten ist fast das Gleiche wie wenn die meisten Leute zu
ihrem Chef sagen könnten, ich will zehn mal so hart arbeiten, also zahlen sie mir bitte zehnmal so viel.
Es gibt hier zwei Unterschiede: man sagt es nicht seinem Chef, sondern direkt zu den Kunden (für welche
Ihr Chef unterm Strich nur eine "Vertretung" ist), und daß Sie es nicht alleine machen sondern zusammen
mit einer Gruppe von ambitionierten Leuten.
Es wird gewöhnlich eine Gruppe sein. Außer in einigen unüblichen Arten von Arbeiten, wie z.B. der
Schauspielerei oder dem Schreiben von Büchern, kann man nicht eine Firma sein die nur aus einer Person
besteht.
Und die Leute mit denen man arbeitet sollten lieber gut sein, weil deren Arbeit Ihre Arbeit wiederum
beeinflusst.
Ein großes Unternehmen ist wie eine riesige Galeere die von tausend Ruderern bewegt wird. Zwei Dinge
halten die Geschwindigkeit der Galeere unten. Zum einen weil einzelne Ruderer kein Ergebnis sehen wenn
sie härter arbeiten. Zum anderen scheint der durchschnittliche Ruderer in einer Gruppe von tausend Leuten
eher ziemlich durchschnittlich zu sein.
Wenn man zehn Leute zufällig aus der großen Galeere auswählt und sie in ein Boot setzt könnten diese sich
vermutlich schneller fortbewegen. Sie hätten sowohl Zuckerbrot und Peitsche um sich zu motivieren.
Ein tatkräftiger Ruderer würde von dem Gedanken ermutigt werden, daß er einen sichtbaren Einfluß auf die
Geschwindigkeit des Bootes hat. Und wenn einer faul wäre würden die anderen das viel eher bemerken und
sich beschweren.
Aber der wirkliche Vorteil des 10-Mann-Bootes kommt zum Vorschein wenn man die zehn besten Ruderer der
großen Galeere nimmt und sie in einem Boot zusammen bringt. Sie werden alle die Zusatz-Motivation haben, die
daraus entsteht eine kleine Gruppe zu sein. Aber noch wichtiger ist, daß man durch die Auswahl solch einer
kleinen Gruppe die besten Ruderer bekommmt. Jeder einzelne von ihnen wird unter den 1% der Besten sein.
Es ist für alle viel besser ihre Arbeit in eine Gruppe Gleichgesinnter einzubringen
als diese in einen Topf mit allen anderen zu werfen.
Das ist der entscheidende Punkt bei Startups. Idealerweise tut man sich mit einer Gruppe von anderen Leuten
zusammen die ebenfalls viel härter arbeiten wollen, und die auch viel mehr Geld dafür bekommen wollen, als sie
je in einer großen Firma erhalten würden. Und weil Startups dazu tendieren von sich selbst-selektierenden
Gruppen ambitionierter Leute gegründet zu werden wo fast jeder den anderen kennt (zumindest aufgrund
ihres guten Rufes), ist die Messung genauer als sie es alleine aufgrund der Übersichtlichkeit ist. Ein Startup
besteht nicht lediglich aus zehn Leuten, jedoch aus zehn Leuten die so sind wie Sie.
Steve Jobs sagte einmal, daß der Erfolg und Mißerfolg eines Startups von den ersten zehn Mitarbeitern
abhängt. Ich stimme dem zu. Wenn es von irgend etwas abhängt, dann auf jeden Fall von mehr als den ersten fünf.
In sich selbst klein zu sein oder nicht, ist das was ein Startup durchstarten lässt, aber diese kleinen
Gruppen sind schwieriger auszuwählen. Auch meint man nicht "klein" im Sinne eines Dorfes, sondern im Sinne
eines All-Star Teams.
Je größer eine Gruppe ist, desto näher wird ein durchschnittliches Mitglied am Durchschnitt der Gesamtheit
liegen. Wenn die anderen Dinge gleich sind, wird ein sehr fähiger Mitarbeiter in einem großen Unternehmen
wahrscheinlich ein schlechtes Los ziehen, weil seine Leistung von der niedrigeren Gesamtleistung der anderen
nach unten gezogen wird. Natürlich sind alle anderen Dinge nicht immer gleich: diesem fähigem Mitarbeiter ist
Geld vielleicht egal, oder er zieht die Stabilität einer großen Firma vor. Aber für jemand sehr Fähigen
für den Geld ein Thema ist wird es gewöhnlich besser sein zu kündigen und in einer kleinen Gruppe von
Gleichgesinnten zu arbeiten.
Der Hebel ist Technologie
Startups bieten jedem einen Weg in eine Situation mit Messbarkeit und Hebelwirkung zu gelangen.
Sie erlauben Messbarkeit weil sie klein sind, und sie bieten die Hebelwirkung weil sie Geld machen in dem
sie neue Technologien erfinden.
Was ist Technologie? Technologie ist Technik. Es ist die Art und Weise wie wir Dinge tun. Und wenn man einen
neuen Weg entdeckt Dinge zu tun, wird dessen Wert multipliziert durch alle Menschen die ihn benutzen. Er
ist eher die sprichwörtliche Angel als der Fisch. Das ist der Unterschied zwischen einem Startup und
einem Restaurant oder einem Friseursalon. Man kocht Essen oder schneidet Haare - aber immer jeweils für genau
einen Kunden. Wenn man hingegen ein technisches Problem löst das viele Menschen betrifft, hilft man
jedem der diese Lösung benutzt. Das ist Hebelwirkung.
Wenn man die Geschichte betrachtet, scheint es daß die meisten Leute reich wurden indem sie
durch das Entwickeln von neuer Technologie Wohlstand schafften. Man kann einfach nicht schnell genug
Essen kochen oder Haare schneiden. Was die Florentiner im Jahre 1200 reich machte war die Entdeckung
neuer Techniken für die Herstellung des damaligen High-Tech-Produkts, fein gewobene Kleidung. Was die
Holländer 1600 reich machte war die Entdeckung des Schiffsbaus und von Navigationstechniken, welche ihnen
ermöglichte die Meere des fernen Ostens zu beherrschen.
Glücklicherweise passt das Klein-Sein und das Lösen schwieriger Probleme von jeher gut zusammen.
Spitzentechnologie entwickelt sich schnell. Eine Technologie ist heute wertvoll und kann in einigen Jahren
wertlos sein. Kleine Unternehmen sind in dieser Welt mehr zuhause, weil sie keine bremsenden bürokratischen
Ebenen haben. Zudem tendieren technische Vorteile dazu aus unorthodoxen Betrachtungsweisen zu entstehen,
und kleine Firmen sind weniger von Konventionen beherrscht.
Große Unternehmen können Technologie entwickeln. Sie können es aber einfach nicht schnell. Ihre Größe
macht sie langsam und bewahrt sie davor Mitarbeiter für außerordentliche Bemühungen zu belohnen, was
eigentlich erforderlich wäre. So schaffen es große Unternehmen in der Praxis nur Technologie
in Bereichen zu entwickeln, in denen großer Kapitalbedarf Startups davon abhält mit ihnen in
Wettbewerb zu treten, wie bei
Mikroprozessoren, Kratfwerken oder Passagierflugzeugen. Und sogar in diesen Bereichen sind sie im Hinblick
auf Komponenten oder Ideen stark von Startups abhängig.
Es ist offensichtlich daß es Biotechnologie- oder Software-Startups deshalb gibt um schwierige technische
Probleme zu lösen, aber ich denke das wird sich auch in Geschäftsfeldern bewahrheiten
die erst einmal nichts mit Technologie zu tun haben. McDonald's zum Beispiel, wuchs durch das Design eines
neuen Systems, dem McDonald's Franchising, welches dann auf Knopfdruck über die ganze Welt verteilt
reproduziert werden konnte. Ein McDonald's Franchise-Unternehmen wird von Regeln kontrolliert welche so
exakt sind daß sie praktisch ein Stück Software darstellen. Einmal geschrieben, überall eingesetzt. Dito Wal-Mart.
Sam Walton wurde nicht als Einzelhändler reich, sondern indem er eine neue Art von Laden entwarf.
Benutzen Sie Schwierigkeiten als Ratgeber, nicht nur beim Auswahl des gesamten Unternehmens-Zieles,
sondern auch bei einzelnen Entscheidungen auf Ihrem Weg. Bei Viaweb war eine unserer Faustregeln
laufe aufwärts. Angenommen Sie sind klein und wendig und werden von einem grossen, fetten
Schlägertyp verfolgt. Sie öffnen eine Türe und finden sich in einem Treppenhaus wieder. Laufen Sie rauf
oder runter? Ich sage: rauf. Der Typ kann wahrscheinlich genauso schnell wie Sie nach unten rennen. Aber
aufwärts wird ihm seine Masse zum Nachteil sein. Aufwärts zu rennen ist schwierig für Sie, aber noch
schwieriger für ihn.
Was das für uns praktisch bedeutete war, daß wir absichtlich nach schwierigen Problemen gesucht haben. Wenn
es zwei Features gab die wir in unsere Software einbauen hätten können, und beide gleich wertvoll im
Verhältnis ihres
Schwierigkeitsgrades waren, nahmen wir immer das Schwierigere. Nicht nur weil es wertvoller war, sondern
weil es schwieriger war. Wir wollten daß größere, langsamere Wettbewerber uns über schwieriges
Terrain folgen mußten. Wie Guerillas ziehen Startups das schwierige Gelände der Berge vor, wohin ihnen die
Regierungstruppen nicht folgen können. Ich kann mich an Zeiten erinnern, als wir einfach nur fertig
waren nachdem wir uns den ganzen Tag mit schrecklichen technischen Problemen herumgeschlagen haben. Und
ich war erfreut, denn etwas was für uns schwierig war würde für unsere Wettbewerber unmöglich sein.
Das ist nicht nur ein guter Weg für ein Startup. Es ist was ein Startup ausmacht. Venture
Capitalisten wissen das und haben einen Ausdruck dafür: Eintrittsbarrieren. Wenn man zu einem
VC mit einer neuen Idee geht und ihn bittet in diese zu investieren, ist eines der ersten Dinge was er fragen
wird, wie schwer es für jemand anderen wäre das nach zu entwickeln. Das bedeutet, wieviel schwieriges Gelände
haben Sie zwischen sich und potentiellen Verfolgern geschaffen?
[7]
Und Sie sollten eine überzeugende Erklärung dafür haben, warum es schwierig ist Ihre Technologie
nachzumachen. Sonst wird es passieren, daß eine große Firma es
selber macht sobald sie davon Wind bekommt, und Ihnen Ihren Markt mit einem grossen Namen, Kapital und
Distributions-Schlagkraft über
Nacht wegnimmt. Sie wären dann wie Guerillas die auf offenem Feld von normalen Streitkräften
gefangen werden.
Ein Weg um Eintrittsbarrieren zu schaffen sind Patente. Aber Patente leisten eventuell nicht viel
Schutz. Wettbewerber finden üblicherweise Wege an den Patenten vorbei zu arbeiten. Und wenn sie das nicht
können, könnten sie diese einfach verletzen damit Sie sie verklagen. Eine große Firma hat keine Angst davor
verklagt zu werden; es ist alltäglich für sie. Die werden dafür sorgen daß es teuer und langwierig ist sie
zu verklagen. Haben Sie jemals von Philo Farnsworth gehört? Er hat das Fernsehen erfunden. Der Grund warum
Sie noch nie von ihm gehört haben ist, daß seine Firma nicht diejenige war welche damit Geld gemacht hat.
[8]
Die Firma, die das gemacht hat, war RCA, und Farnsworths Belohnung für seine Bemühungen war ein Jahrzehnt
mit Patent-Streitigkeiten.
Hier ist, wie so oft, Angriff die beste Verteidigung. Wenn man Technologie entwickelt, die
einfach für Wettbewerber nicht schwer genug kopierbar ist, braucht man sich auch nicht auf andere
Verteidigungsstrategien verlassen. Fangen Sie an indem sie ein schwieriges Problem anpacken, und dann
wählen Sie die jeweils schwierigere Alternative immer wenn es zu einer Entscheidung kommt.
[9]
Die Falle(n)
Wenn es einfach nur entscheidend wäre härter zu arbeiten als ein normaler Angestellter und somit
proportional mehr Gehalt zu bekommen, wäre es offensichtlich das Beste gleich ein Startup zu gründen.
Bis zu einem bestimmten Punkt würde es auch mehr Spaß bedeuten. Ich glaube nicht daß viele Menschen
das langsame Tempo von großen Unternehmen mögen, die endlosen Meetings, die Konversationen am
Kaffeeautomaten, Manager die keine Ahnung haben usw.
Bedauerlicherweise gibt es einige Fallen. Eine davon ist daß man nicht den Punkt an der Kurve wählen kann
an dem man sich gerade befindet. Man kann beispielsweise nicht entscheiden, daß man nur zwei oder dreimal so
hart arbeiten möchte und genauso mehr an Geld bekommt. Wenn man ein Startup hat, entscheiden Ihre
Mitbewerber wie hart Sie arbeiten. Und diese werden wirklich alle die gleiche Entscheidung treffen: So hart wie
Sie nur irgendwie können.
Die andere Falle ist daß die letztendlichen Einnahmen nur ein durchschnittlich proportional zu Ihrer
Produktivität sind. Es gibt, wie ich bereits erwähnte, einen großen Zufallsfaktor in punkto Erfolg eines
Unternehmens. In der Praxis sieht es demnach nicht so aus, daß Sie 30 mal produktiver sind und dann
30x soviel dafür bekommen. Vielmehr ist es so daß Sie 30 mal produktiver sind, und zwischen null und
tausendmal soviel bekommen. Wenn der Durchschnitt 30x ist, ist der Mittelwert wahrscheinlich null. Die meisten
Startups scheitern, nicht nur die Hundefutter-Portale von denen wir alle während der Internet-Blase
gehört haben. Es ist schon fast üblich daß ein Startup ein echt gutes Produkt entwickelt, dafür etwas
zu lange braucht, dann geht das Geld aus und die Firma muß zusperren.
Ein Startup ist wie ein Moskito. Ein Bär kann einen Schlag verkraften und eine Krabbe ist dagegen gefeit,
aber ein Moskito ist nur für eine Sache gemacht: zu punkten. Es wird keinerlei Energie für Abwehr verschwendet.
Die Verteidigung bei Moskitos als Spezies ist, daß es viele davon gibt, aber das ist kein Trost für
das einzelne Moskito.
Startups tendieren dazu, wie Moskitos, in einer Alles-oder-Nichts-Situation zu sein. Und meistens weiß man bis
zur letzten Minute nicht in welchem von Beiden man sich befindet. Viaweb war dem Scheitern mehrere Male
nahe. Unsere Flugbahn glich einer Sinuskurve. Glücklicherweise wurden wir auf einem Höhepunkt der Kurve
gekauft, aber das war verdammt knapp. Als wir Yahoo in Kalifornien besuchten um mit ihnen über den Verkauf
der Firma zu sprechen, mußten wir uns einen Konferenzraum ausborgen um einen Investor zu beruhigen
welcher kurz davor stand aus einer neuen Finanzierungsrunde auszusteigen, die wir benötigten um zu überleben.
Der Alles-oder-Nichts-Aspekt eines Startup war nicht das was wir wollten. Viawebs Hacker waren alle
extrem Risiko-scheu. Wenn es irgendeinen Weg gegeben hätte einfach sehr hart zu arbeiten und dafür
bezahlt zu werden, und das ohne Lotterie, wären wir erfreut gewesen. Wir hätten eine 100%-Chance auf 1 Million
deutlich einer 20%-Chance auf 10 Millionen vorgezogen, auch obwohl die Zweite sogar doppelt soviel wert
ist. Leider gibt in der Welt der Ökonomie zur Zeit keinen solchen Platz wo man Variante eins bekommt.
Dem nahe kommen kann man indem man sein Startup in den Anfängen verkauft, indem man den eventuell
höheren Gewinn (und das Risiko) aufgibt für einen kleineren aber garantierten Betrag. Wir hatten die
Chance dazu, und dummerweise liessen wir sie vorbeiziehen, so wie wir damals dachten. Danach wurden wir
komischerweise scharf darauf zu verkaufen. Im darauf folgenden Jahr war es so, daß wenn irgend jemand
nur einen Anflug von Neugierde an Viaweb geäußert hätte, wir versucht hätten ihm die Firma
zu verkaufen.
Es wäre ein guter Deal gewesen uns früh zu kaufen, aber Unternehmen die Akquisitionen betreiben
suchen nicht nach guten Deals. Eine Firma, die groß genug ist um Startups zu kaufen, ist auch groß genug
um ziemlich konservativ zu sein, und innerhalb des Unternehmens werden die Leute, deren Aufgabe die
Akquisitionen sind, unter den Konservativeren sein, weil sie vermutlich Business-School-Typen sind
die erst spät zu dem Unternehmen gekommen sind. Diese würden wohl lieber zu viel zahlen um eine
sichere Entscheidung zu treffen. Deshalb ist es einfacher ein etabliertes Startup zu verkaufen, sogar für einen
grossen Aufschlag, als ein frisches Startup.
User gewinnen
Ich glaube daß es gut ist - wenn möglich - gekauft zu werden. Ein Business zu betreiben ist etwas
anderes als es hochzuziehen. Es ist einfach gut es von einer großen Firma übernehmen zu lassen wenn man mal
die richtige Flughöhe erreicht hat. Es ist auch finanziell klüger, denn der Verkauf ermöglicht Diversifikation.
Was würden Sie von einem Finanzberater denken der alle Kundenvermögen in nur einen volatilen Aktienbestand
investiert?
Wie wird man gekauft? Meistens indem man die gleichen Dinge tut die man auch tun würde wenn man nicht
vor hat das Unternehmen zu verkaufen. Zum Beispiel profitabel zu sein. Aber gekauft zu werden ist auch
eine Kunst für sich, und eine für die wir viel Zeit verbraucht haben beim Versuch sie zu beherrschen.
Potentielle Käufer werden immer verzögern wenn sie können. Das Schwierige am Gekauft-Werden ist sie
dazu zu bringen in Aktion zu treten. Für die meisten Menschen ist der machtvollste Motivator nicht
die Hoffnung
auf Gewinn, sondern die Angst vor Verlust. Für potentielle Käufer ist der machtvollste Motivator die
Aussicht daß einer ihrer Wettbewerber Sie kauft. Wir fanden heraus daß dies CEOs dazu bringt rote Augen zu
bekommen. Das zweitgrößte ist die Sorge, daß Sie weiter schnell wachsen und später beim Aufkauf mehr kosten
oder sogar ein Wettbewerber werden, wenn sie Sie nicht jetzt kaufen.
In beiden Fällen kommt es nur auf die User an. Vielleicht glauben Sie daß ein Unternehmen welches
vor hat Sie zu kaufen viel Recherche-Arbeit anstellt und für sich selbst entscheidet wie wertvoll Ihre
Technologie ist. Überhaupt nicht. Was sie interessiert ist die Anzahl der User die Sie haben.
Eigentlich nehmen die Käufer an, daß die Kunden wissen was die beste Technologie ist. Und das ist nicht
so blöd wie es sich anhört. User sind der einzige wirkliche Beweis dafür daß Sie Wohlstand geschaffen
haben. Wohlstand ist das was die Menschen möchten, und wenn die Ihre Software nicht nutzen, ist es
vielleicht nicht nur deshalb weil Sie schlechtes Marketing machen. Vielleicht ist es deshalb weil Sie
nicht das gemacht haben was diese möchten.
Venture Capitalisten haben eine Liste von Gefahrenanzeichen auf die sie Ausschau halten müssen. Fast ganz oben
steht ob das Unternehmen von Technikverrückten geführt wird, die davon besessen sind interessante
technische Probleme zu lösen anstatt Benutzer glücklich zu machen. In einem Startup versucht man nicht nur
Probleme zu lösen. Man versucht Probleme zu lösen die für die User von Bedeutung sind.
Deshalb denke ich man sollte die User als Test nehmen, genauso wie es die Firmenkäufer tun. Behandle
ein Startup als ein Optimierungsproblem bei dem die Leistung in der Anzahl der Benutzer gemessen wird. Wie
jeder weiß, der versucht hat Software zu optimieren, ist der Schlüssel das exakte Messen. Denn wenn man versucht
nur zu schätzen wo die eigene Software langsam ist, und was sie beschleunigen könnte, verschätzt man
sich nahezu immer.
Viele Benutzer sind vielleicht nicht der perfekte Test, aber ein schon ziemlich guter. Das ist um was
es den Firmenkäufern geht. Das ist auf was Umsätze basieren. Das ist was Wettbewerber unglücklich macht.
Das ist was Reporter beeindruckt und potentielle neue Benutzer. Sicherlich ist das ein besserer Test als
die ursprünglichen Gedanken darüber welche Probleme wichtig zu lösen sind, egal wie technikerfahren man ist.
Neben anderen Dingen verhilft die Betrachtung eines Startup als Optimierungsproblem dazu eine andere
Falle zu vermeiden um die sich VCs zu recht sorgen - eine lange Produktentwicklungszeit. Nun kann man
sagen daß das Hacker bereits wissen und vermeiden:
vorschnelle Optimierung. Versuche die Version 1.0 so schnell wie möglich herauszubringen. Bevor man einige
Benutzer zum Messen hat, basiert Optimierung nur auf Schätzungen.
Das Entscheidende was man im Auge behalten muß ist das dahinter liegende Prinzip, daß Wohlstand das ist
was die Menschen möchten. Wenn Sie planen reich zu werden indem Sie Wohlstand schaffen, müssen sie wissen
was die Leute mögen. So wenig Unternehmen richten wirklich ihre Aufmerksamkeit darauf Kunden
glücklich zu machen. Wie oft geht man in einen Laden, oder ruft eine Firma an, mit dem Gefühl von Angst
im Hinterkopf? Wenn man hört "Ihr Anruf ist wichtig für uns, bitte bleiben Sie in der Leitung," denkt man
dann "oh lieber Gott, jetzt wird alles gut"?
Ein Restaurant kann es sich leisten gelegentlich ein angebranntes Abendessen zu servieren. Aber bei
Technologie kocht man nur ein Gericht und das ist das was jeder isst. So wird der Unterschied zwischen dem
was Leute möchten und was man liefert multipliziert. Man stellt Kunden entweder total zufrieden oder verärgert
sie komplett. Je näher man dem kommt was sie möchten, desto mehr Wohlstand schafft man.
Wohlstand und Macht
Wohlstand zu schaffen ist nicht der einzige Weg um reich zu werden. Für den größten Teil der menschlichen
Geschichte gilt, daß das nicht unbedingt das am meisten übliche war. Bis vor einigen Jahrhunderten waren die größten
Quellen von Wohlstand Minen, Sklaven und Leibeigene, Land und Rinder, und der einzige Weg um an diese
schnell ranzukommen waren Erbschaft, Heirat, Eroberung oder Beschlagnahme. Natürlich hatte Wohlstand
einen schlechten Ruf.
Zwei Dinge haben sich verändert. Erstens die Rechtsstaatlichkeit. Für den Großteil der Geschichte galt,
wenn man sich irgendwie ein Vermögen angehäuft hat, daß der Herrscher oder seine Schergen einen Weg
finden würden dieses zu stehlen. Aber im mittelalterlichen Europa passierte auf einmal etwas Neues. Eine
neue Schicht von Händlern und Handwerkern begann sich in Städten zu anzusammeln.
[10]
Zusammen schafften sie es dem lokalen Feudalherren Widerstand zu leisten. So kam es daß zum ersten Mal
in der Geschichte die Tyrannen aufhörten den Nerds ihr Essensgeld zu stehlen. Das war natürlich
ein großer Anreiz, und möglicherweise tatsächlich der Hauptgrund für die zweite große Veränderung,
der Industrialisierung.
Es wurde sehr viel über die Ursachen der industriellen Revolution geschrieben. Aber eine sicherlich nötige,
wenn nicht sogar hinreichende Vorraussetzung war daß es den Leute welche ein Vermögen machten möglich
war dieses in Frieden zu geniessen.
[11]
Ein Teil des Beweises dafür ist was den Ländern passierte die versucht haben zum alten Modell zurückzukehren,
wie die Sowjetunion und in einem geringeren Maße Großbritannien unter der Labour Regierung in den
1960er und frühen 1970er Jahren. Man braucht nur den Anreiz für Wohlstand zu streichen, und schon
wird technologische Innovation bis zum Stillstand zerrieben.
Erinnern wir uns daran was ein Startup ökonomisch gesehen wirklich ist: Ein anderer Ausdruck für "ich
möchte härter arbeiten". Anstatt Geld langsam anzusammeln indem man fünzig Jahre lang ein reguläres
Einkommen erhält, will man das überspringen und es so schnell wie möglich haben. Somit verordnen
Regierungen im Endeffekt daß man langsamer arbeitet wenn sie einem verbieten Wohlstand anzuhäufen. Sie
lassen einen 3 Millionen in einem Zeitrahmen von fünzig Jahren verdienen, aber lassen einen nicht so hart
arbeiten daß man das in zwei schaffen kann. Diese sind wie der Unternehmenschef zu dem man nicht gehen und
sagen kann, "ich möchte zehnmal so hart arbeiten, deshalb zahle mir bitte auch zehnmal so viel".
Außerdem ist diese Regierung kein Chef dem man entkommen kann indem man selbst ein Unternehmen gründet.
Das Problem an der langsamen Arbeit ist nicht nur daß technische Innovation langsam passiert. Eher tendiert sie
dazu überhaupt nicht erst zu entstehen. Das passiert nur wenn man absichtlich nach schwierigen Problemen
Ausschau hält, und Geschwindigkeit als größten Vorteil nutzt, den man für so ein
Projekt verwenden kann. Neue Technologie zu entwickeln ist absolut schrecklich. Es ist, wie Edison sagte,
ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Schweiß. Ohne den Wohlstands-Anreiz will es
niemand tun. Ingenieure werden für normale Bezahlung gerne an sexy Projekten arbeiten wie Kampfflugzeugen
oder Mondraketen, aber schlichtere Technologien wie Glühbirnen oder Halbleiter müssen von
Entrepreneuren entwickelt werden.
Startups sind nicht irgendwas das es nur in den letzten Jahrzehnten im Silicon Valley gab. Seit es möglich
geworden ist durch das Schaffen von Wohlstand reich zu werden, hat jeder der das gemacht hat im
wesentlichen das gleiche Rezept benutzt: Messbarkeit und Hebelwirkung, wobei die Messbarkeit aus der
Arbeit mit einer kleinen Gruppe kommt und die Hebelwirkung aus der Entwicklung neuer Technologien.
Das Rezept war in Florenz im Jahr 1200 das Gleiche wie in Santa Clara heute.
Dieses Verständnis hilft eine wichtige Frage zu beantworten: Warum Europa so mächtig geworden ist.
Hat es etwas mit der Geographie Europas zu tun? Waren die Europäer als Rasse irgendwie überlegen?
War es ihre Religion? Die Antwort (oder zumindest die Annäherung daran) könnte sein daß die Europäer auf der
Welle einer machtvollen neuen Idee ritten: denen die viel Geld gemacht haben zu erlauben es zu behalten.
Wenn das erst einmal erlaubt ist, können die Menschen die das wollen reich werden indem sie Wohlstand
schaffen anstatt ihn zu stehlen. Das daraus resultierende technologische Wachstum wird nicht nur in
Wohlstand sondern auch in militärische Macht umgesetzt. Die Theorie die zum Stealth Fighter führte
wurde von einem sowjetischen Mathematiker entwickelt. Aber sie blieb für die Sowjet Union eine Theorie,
weil sie keine Computerindustrie hatten; sie verfügten nicht über die Hardware die imstande war
die Berechnungen schnell genug auszuführen um ein Flugzeug auf dem aktuellen Stand zu designen.
In dieser Hinsicht lehrt uns der kalte Krieg die gleiche Lektion wie der 2. Weltkrieg und, was das
betrifft, die meisten Kriege in der letzten Zeit. Lasse niemals eine herrschende Klasse von Militärs und
Politiker die Entrepreneure zerquetschen. Das gleiche Rezept welches Individuen reich macht lässt
Nationen mächtig werden. Lasse die Nerds ihr Essensgeld behalten, und sie regieren die Welt.
Notizen
[1]
Etwas Wertvolles was man üblicherweise nur in Startups bekommt ist Ununterbrechbarkeit.
Verschiedene Arten von Arbeit haben unterschiedlichen Zeitbedarf. Jemand der ein Manuskript Korrektur
liest könnte wahrscheinlich alle fünfzehn Minuten unterbrochen werden - bei nur kleinem Produktivitäts-Verlust.
Aber der Zeitbedarf fürs Hacken ist sehr lang: es mag eine Stunde dauern nur um ein Problem
in den Kopf zu bekommen. So können die Kosten sehr hoch sein, um Personal dafür zu haben einen
anzurufen wenn man vergessen hat ein Formular auszufüllen.
Deshalb werfen einem Hacker so einen bösen Blick zu wenn sie sich von ihrem Bildschirm abwenden müssen um eine
Frage zu beantworten. In ihrem Kopf wackelt gerade ein gigantisches Kartenhaus.
Schon die reine Möglichkeit unterbrochen zu werden schreckt Hacker davon ab schwierige Projekte anzupacken.
Deshalb tendieren sie dazu spätnachts zu arbeiten, und warum es nahezu unmöglich ist großartige Software
in einer Arbeitskabine zu entwickeln (außer spätnachts).
Ein großer Vorteil von Startups ist daß sie bisher keine von diesen Leuten haben die einen unterbrechen.
Es gibt keine Personalabteilung, und deshalb weder ein Formular noch jemanden der einen deshalb anruft.
[2]
Angesichts des Gedankens, daß Leute die für Startups arbeiten vielleicht 20 bis 30 mal so produktiv sind
wie diejenigen die für große Unternehmen arbeiten, fragen sich natürlich Manager bei großen Unternehmen,
wie sie die Leute dazu kriegen könnten das für sie zu tun. Die Antwort ist einfach: Bezahle sie entsprechend.
Intern werden die meisten Unternehmen wie kommunistische Staaten geführt. Wenn man an die freie
Marktwirtschaft glaubt, warum sollte man seine Firma nicht in eine verwandeln?
Hypothese: Ein Unternehmen wird maximal profitabel sein sobald jeder Mitarbeiter im Verhältnis zum
Wohlstand bezahlt wird den sie schaffen.
[3]
In letzter Zeit begreifen manchmal nicht einmal Regierungen bis heute den Unterschied zwischen Geld und
Wohlstand. Adam Smith (Wealth of Nations, v:i) erwähnt einige die versucht haben ihren
"Wohlstand" zu behalten indem sie den Export von Gold oder Silber verboten. Aber mehr Tauschmittel zu
besitzen würde ein Land nicht reicher machen; wenn man mehr Geld hat um derselben Menge an
materiellen Wohlstand nachzujagen, sind das einzige Resultat höhere Preise.
[4]
Es gibt mehrere Bedeutungen des Wortes "Wohlstand", nicht alle davon sind materiell. Ich versuche hier nicht
eine tiefgründige Angelegenheit daraus zu machen welche davon die Wahre ist. Ich schreibe über eine
weniger spezifische Fachbedeutung des Wortes "Wohlstand". Das für was einem Leute Geld geben.
Die Betrachtung dieser Art von Wohlstand ist deshalb so interessant, weil sie diejenige ist die einen
vor dem Verhungern bewahrt. Und für was die Leute einem Geld geben hängt von ihnen ab, nicht von einem selbst.
Wenn man ein Geschäft aufbaut, denkt man schnell daß die Kunden wollen was man tut.
Während der Internet Blase sprach ich mit einer Frau die, weil sie die Natur liebte, ein "Outdoor Portal"
aufbaute. Wissen Sie welche Art von Geschäft Sie aufbauen sollten wenn Sie die Natur lieben? Eines
das Daten von kaputten Festplatten wiederherstellt.
Wo ist da der Bezug? Es gibt keinen. Das ist genau der Punkt. Wenn man Wohlstand schaffen möchte
(im engen fachlichen Bezug um nicht zu verhungern), dann sollte man ganz speziell skeptisch in Bezug
auf Pläne sein die sich auf Dinge konzentrieren die man gerne macht. Das sind die wo ihre Idee zumindest
den Wert besitzt, daß sie wahrscheinlich identisch ist mit der von anderen Leuten.
[5]
Global gesehen macht man mit der Auto-Restaurierung wahrscheinlich jeden minimal ärmer,
indem man der Umwelt minimalen Schaden zufügt. Doch selbst wenn Umweltkosten mit berücksichtigt werden sollen,
machen sie das Wohlstand-Schaffen nicht zu einem Nullsummenspiel. Wenn man zum Beispiel eine Maschine
repariert die zerbrochen ist weil ein Teil unbefestigt war, schafft man Wohlstand nicht auf Kosten der Umwelt.
[5b]
Dieses Essay wurde vor dem Erscheinen von Firefox verfasst.
[6]
Viele Menschen sind verwirrt und deprimiert wenn sie um die 20 Jahre alt sind. Das Leben schien im College
so viel lustiger zu sein. Nun, natürlich war es das. Lassen Sie sich nicht durch die oberflächlichen
Ähnlichkeiten verwirren. Sie sind vom Gast zum Diener geworden. Es ist durchaus möglich daß man in dieser
neuen Welt Spaß hat. Unter anderem gelangt man jetzt hinter die Türen auf denen "Nur für autorisiertes
Personal" draufsteht. Aber diese Veränderung ist zuerst mal ein Schock, und noch viel schlimmer ist es
wenn man das überhaupt nicht merkt.
[7]
Als uns VCs fragten wie lange ein anderes Startup benötigen würde um unsere Software zu kopieren,
antworteten wir üblicherweise daß sie das wahrscheinlich nie schaffen könnten. Ich glaube daß uns
das naiv oder wie Lügner aussehen ließ.
[8]
Wenige Technologien haben einen eindeutigen Erfinder. Als Regel gilt, wenn man "den Erfinder" von etwas
kennt (das Telefon, das Fließband, das Flugzeug, die Glühbirne, den Transistor) dann deshalb weil
dessen Unternehmen Geld damit machte, und die PR-Leute des Unternehmens hart arbeiteten um die Story zu
verbreiten. Wenn man jemanden nicht kennt der etwas erfunden hat (das Auto, das Fernsehen, den Computer,
die Flugzeugturbine, den Laser), dann weil andere Unternehmen das ganze Geld damit verdienten.
[9]
Das ist generell ein guter Rat fürs Leben. Wenn man zwei Möglichkeiten hat, sollte man die schwierigere
auswählen. Wenn man versucht zu entscheiden ob man rausgehen und laufen soll oder daheim sitzen und
fernsehen, sollte man laufen gehen. Wahrscheinlich ist der Grund warum dieser Trick so gut funktioniert
daß wenn man zwei Möglichkeiten hat und die eine schwieriger ist, der einzige Grund Faulheit ist, warum man
die andere überhaupt in Betracht zieht. Im Hinterkopf weiß man genau was das Richtige
ist, und dieser Trick zwingt einen lediglich dazu das zu erkennen.
[10]
Es ist wahrscheinlich kein Zufall daß die Mittelschicht zuerst im Norden Italiens und in den
Ländern darunter entstand wo es keine strengen Zentralregierungen gab. Diese zwei Regionen waren
die Reichsten ihrer Zeit und wurden die Zentren von denen die Zivilisation der
Renaissance ausging. Wenn sie diese Rolle nicht länger innehaben, dann weil andere Länder, wie die
Vereinigten Staaten, die Prinzipien besser verinnerlicht haben als die welche sie ursprünglich entwickelt hatten.
[11]
Es mag tatsächlich eine hinreichende Bedingung sein. Wenn das so ist, warum hat es dann die
industrielle Revolution nicht früher gegeben? Zwei mögliche (und nicht inkompatible Antworten):
(a) Es gab sie bereits früher, die industrielle Revolution war nur ein Stück einer Serie (b) Weil die
mittelalterlichen
Städte, Monopole und Zunft-Regulierungen von Beginn an die Entwicklung neuer Formen der Produktion verlangsamten
(übersetzt von Thomas Müller, 15. bis 17.04.2006)
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